Minimalschuhe und Fußkraft – Curtis et al. 2021
Was verändert sich, wenn Menschen im Alltag über mehrere Monate Minimalschuhe tragen? Curtis und sein Forschungsteam untersuchten, wie sich sechs Monate regelmäßiger Nutzung minimalistischer Schuhe auf die Fußkraft gesunder Erwachsener auswirkten. Im Mittelpunkt stand die maximale isometrische Beugekraft der Zehen.
Worum geht es in der Studie?
Die Studie von Curtis et al. untersucht, ob sich die Kraft des Fußes verändert, wenn Erwachsene über mehrere Monate im Alltag regelmäßig Minimalschuhe tragen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich eine sechsmonatige Nutzung minimalistischer Schuhe auf die gemessene Zehenbeugekraft auswirkt.
Untersucht wurden Erwachsene, die zuvor üblicherweise konventionelle Schuhe getragen hatten. Ein Teil der Teilnehmenden wechselte für sechs Monate überwiegend zu Minimalschuhen, während eine Kontrollgruppe weiterhin ihre gewohnten Schuhe nutzte. Zusätzlich untersuchte das Forschungsteam Personen, die bereits seit längerer Zeit regelmäßig Minimalschuhe trugen.
Die zentrale Forschungsfrage:
Verändert regelmäßige Alltagsaktivität in Minimalschuhen die messbare Fußkraft?
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Untersuchung kombinierte eine sechsmonatige prospektive Intervention mit einem zusätzlichen Vergleich zu erfahrenen Minimalschuh-Nutzern.
Die Interventionsgruppe bestand aus 22 Erwachsenen, die Kontrollgruppe aus 24 Erwachsenen. Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe erhielten den Minimalschuh Vivobarefoot Stealth II. Sie sollten diesen mindestens 70 % der Zeit, in der sie Schuhe trugen, und an mindestens sechs Tagen pro Woche verwenden.
Für das Laufen sollten die Minimalschuhe während der Untersuchung ausdrücklich nicht verwendet werden. Die Kontrollgruppe trug weiterhin ihre gewohnten konventionellen Schuhe.
Vor und nach den sechs Monaten wurden verschiedene Fußparameter sowie die Fußkraft gemessen. Als Maß für die Kraft verwendeten die Forschenden die maximale isometrische Plantarflexionskraft der Zehen an den Zehengrundgelenken. In der Publikation wird dieser Messwert als Toe Flexion Strength (TFS) bezeichnet.
Zusätzlich wurde eine Gruppe von 20 erfahrenen Minimalschuh-Nutzern untersucht. Diese Personen trugen bereits seit mindestens sechs Monaten und im Durchschnitt seit etwa 2,5 Jahren regelmäßig Minimalschuhe.
| Studiendesign auf einen Blick | |
|---|---|
| Interventionsgruppe | 22 Erwachsene |
| Kontrollgruppe | 24 Erwachsene |
| Erfahrene Minimalschuh-Nutzer | 20 Erwachsene |
| Interventionsdauer | 6 Monate |
Welche Ergebnisse wurden beobachtet?
Das zentrale Ergebnis betrifft die gemessene Zehenbeugekraft. Nach sechs Monaten war die Toe Flexion Strength in der Minimalschuhgruppe gegenüber dem Ausgangswert im Durchschnitt um 57,4 % gestiegen.
Die Veränderung war statistisch signifikant (p < 0,001). Die Autoren berichten eine Effektstärke von Cohen’s d = 0,84. In der Kontrollgruppe wurde dagegen keine signifikante Veränderung der gemessenen Fußkraft festgestellt.
+57,4 %
betrug die durchschnittliche Zunahme der in der Studie gemessenen Zehenbeugekraft innerhalb der Minimalschuhgruppe nach sechs Monaten.
Auch nach einer Normalisierung der Kraft auf das Körpergewicht zeigte die Interventionsgruppe nach sechs Monaten eine signifikant höhere Toe Flexion Strength als zu Beginn. Die anschließend gemessenen Werte lagen in einem ähnlichen Bereich wie bei den bereits länger an Minimalschuhe gewöhnten Teilnehmern.
Bei anderen untersuchten Parametern zeigte sich dagegen kein vergleichbarer Effekt. Die Fußbreite nahm durch die sechsmonatige Intervention nicht signifikant zu. Auch bei der relativen Höhe des Fußgewölbes wurde innerhalb der Interventionsgruppe keine signifikante Veränderung festgestellt.
Wie lassen sich die Ergebnisse einordnen?
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass regelmäßige Alltagsaktivität in den untersuchten Minimalschuhen bei den untersuchten gesunden Erwachsenen mit einer deutlichen Zunahme der gemessenen Zehenbeugekraft verbunden war. In der Kontrollgruppe wurde im gleichen Zeitraum keine entsprechende Veränderung beobachtet.
Entscheidend ist jedoch, die Aussage auf das tatsächlich untersuchte Ergebnis zu begrenzen. Gemessen wurde eine bestimmte Form der Fußkraft: die maximale isometrische Plantarflexionskraft der Zehen. Die Studie untersuchte damit nicht, ob Minimalschuhe Erkrankungen behandeln, Beschwerden verhindern oder das Verletzungsrisiko reduzieren.
Wichtig für die Einordnung:
Die beobachtete Zunahme der Zehenbeugekraft ist ein konkretes Messergebnis dieser Studie. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass Minimalschuhe die gesamte Fußmuskulatur um denselben Wert kräftigen oder einen bestimmten gesundheitlichen Nutzen bewirken.
Auch mögliche Zusammenhänge zwischen Fußmuskulatur, Balance, Gang oder Fußbeschwerden sind von diesem konkreten Studienergebnis zu unterscheiden. Solche gesundheitlichen oder klinischen Effekte wurden in dieser Untersuchung nicht als Endpunkte geprüft.
Gut zu wissen
Die häufig zitierte Zahl von 57,4 % bedeutet nicht, dass der „Fuß um 57,4 % stärker“ wurde. Sie bezieht sich konkret auf die in der Untersuchung gemessene maximale isometrische Zehenbeugekraft.
Untersucht wurden gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 55 Jahren. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf andere Personengruppen wie Kinder, ältere Menschen oder Personen mit bestehenden Fußbeschwerden übertragen.
Originalstudie lesen
Die vollständige Methodik, Ergebnisse und Schlussfolgerungen findest du in der veröffentlichten Originalstudie.